Spotmarkt Woche 20: Tankermärkte hoffen auf USA

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In der Rohölschifffahrt klaffte die Ratenentwicklung für größere und kleinere Tanker diese Woche auseinander. Für VLCC ging es am Spotmarkt nach unten, für Suezmaxe und Aframaxe zum Teil deutlich aufwärts.

Im Persischen Golf ist derzeit nicht viel zu holen. Vor dem für nächste Woche mit Spannung erwarteten OPEC-Ministertreffen, auf dem die Fördermengen-Kürzungen möglicherweise für weitere neun Monate verlängert werden, rangen Eigner von Großtankern erneut um Beschäftigung in der wichtigsten Laderegion für das schwarze Gold.

Der Zustrom von Ladungen für Juni blieb deutlich unter den Erwartungen, während die Liste der spot und prompt verfügbaren VLCC in den Häfen am Golf fast auf ein Dreijahreshoch kletterte, wie Schiffsmakler berichten. Resultat: Das Ertragsniveau (tce) für Reisen nach Fernost fiel für VLCC gegenüber der Vorwoche um rund 15% auf etwa 18.100 $/Tag. Auch in Westafrika standen die Raten unter Druck, so dass die Tageserträge auf der Route nach Fernost um über 20% auf 15.200 $/Tag sanken.

Unsicherheit vor OPEC-Treffen

Über die nahen bis mittleren Marktaussichten herrscht vor dem OPEC-Treffen erhöhte Unsicherheit. Eine Zunahme der Exportaktivität ex Mittelost-Golf ist kaum zu erwarten, wenn das Kartell die zu Jahresanfang in Kraft getretene Produktionskürzung verlängert.

Die Hoffnung der Tankerindustrie richtet sich derweil auf die USA, wo die Ölförderung der International Energy Agency (IEA) zufolge dieses Jahr deutlich um 345.000 Fass pro Tag ansteigen wird. Gleichzeitig nimmt die Ölimport-Nachfrage in Asien – vor allem in China – weiter rapide zu, was für die US-Ölindustrie gewaltige Chancen birgt. Sollten die Exportverladungen aus den USA nach Asien weiter zunehmen, könnte das die Nachfrage nach Schiffsraum spürbar ankurbeln. Denn solche Langstreckentransporte binden relativ viel Transportkapazität.

Nigeria und Libyen fahren Öl-Förderung hoch

Neben den USA bauen selbst einige OPEC-Staaten ihre Förderung aktuell wieder aus, insbesondere Nigeria und Libyen. Beide Länder wollen die erheblichen Ausfälle in jüngster Zeit wieder aufholen, was sich offenbar schon positiv für die kleineren Tanker auswirkt. So verbesserten sich die Tagesraten für Suezmaxe auf Reisen von Westafrika nach Europe sowie in der Mittelmeerfahrt deutlich auf 14.000 bzw. 21.500 $/Tag. Auch Aframaxe verzeichneten Steigerungen in wichtigen Fahrtgebieten. In der Mittelmeerfahrt zogen die Spoterträge für Aframaxe um fast 70% auf 24.600 $/Tag an.

Kaum Bewegung im Trockenfrachtmarkt

Der Trockenfrachtmarkt bot im Vergleich dazu kaum Bewegung. Für Capesize-Frachter sank die Durchschnittsrate im Zeitcharter-Trip-Geschäft von 12.900 auf rund 12.200 $/Tag, während das Ratenniveau für Panamaxe von rund 8.000 auf 7.200 $/Tag nachgab. Mangels frischer Nachfrage verschiebe sich das Marktgleichgewicht mehr und mehr zu Gunsten der Befrachter.

Für die Ostküste Südamerikas seien bis Wochenmitte nur rund 20 offene Ladungen gehandelt worden – deutlich weniger als die Anzahl der zu erwartenden Panamaxe, die sich in Ballast Richtung Ostküste Südamerikas aufgemacht hätten, berichtete ein Makler. Suezmaxe und Handysize-Frachter konnten das Ratenniveau der Vorwoche in etwa behaupten.

Stagnation im Container-Zeitcharter-Markt

Am Zeitchartermarkt für Containerschiffe stehen die Zeichen jetzt auf Stagnation. Der New ConTex bliebe unverändert bei 410 Punkten, während der Howe Robinson Index leicht nachgab. Charterern gelingt es zunehmend, Panamax-Containerschiffe zu deutlich unter 10.000 $/Tag, teilweise sogar unter 9.000 $/Tag, anzumieten, wie aus Maklerberichten hervorgeht. (mph)