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Die Konsolidierungswelle erfasst die deutsche Schleppschifffahrt: Linnhoff Schiffahrt verkauft zum Jahresende die URAG (Bremerhaven) und Lütgens & Reimers (Hamburg) – offenbar an die spanische Boluda.

LinnhoffNach HANSA-Informationen soll der Verkauf noch vor Jahresende erfolgen. Eine offizielle Bestätigung der beiden Unternehmen sowie der Muttergesellschaft Linnhoff Schifffahrt steht noch aus – Anfragen der HANSA blieben unbeantwortet. Brancheninsider haben den Deal jedoch bestätigt. Die Belegschaft der beiden Schlepp-Reedereien ist bereits informiert, für den kommenden Donnerstag ist eine Personalversammlung geplant, erfuhr die HANSA. Dann sollen nähere Details bekanntgegeben werden.

Boluda übernimmt

Käufer der beiden deutschen Traditionsunternehmen ist dem Vernehmen nach die spanische Boluda Corporación Marítima (Boluda). Über Kaufpreis und Übernahmebedingungen ist derzeit nichts bekannt.

URAG

URAG, gegründet 1890, wie auch L&R sind offenbar finanziell angeschlagen. Beide Unternehmen gehören zur Linnhoff Schiffahrt, die angesichts der allgemeinen Marktschwäche ihr Tafelsilber verkauft. Anteile an Wiking Helikopter, einem Offshore-Dienstleister, sollen bereits veräußert worden sein. Jetzt folgen die beiden Schlepp-Reedereien in Hamburg und Bremerhaven, nachdem der Versuch offenbar gescheitert ist, sich im zunehmenden Wettbewerb in den europäischen Häfen mit einer aggressiven Strategie von der Konkurrenz abzusetzen.

Zunehmender Wettbewerb

In den vergangenen Monaten sind der Kostendruck durch die Reederei-Kunden und die zunehmende Konkurrenz durch grenzüberschreitende Kooperationen enorm gewachsen. Das im Dezember 2014 verkündete 50:50-Joint-Venture zwischen Smit und Kotug war nur der Auftakt. »Kotug Smit Towage« verfügt über 65 Schlepper in elf europäischen Häfen. Seit dem Abschluss dieses Joint Ventures ist der Mutterkonzern Boskalis in mehr als 35 Ländern und über 90 Häfen tätig – mit mehr als 450 Schiffen.

Längst ist ein globaler Wettkampf im Gang, in dem auch Svitzer kräftig mitmischt. Dank der Zugehörigkeit zur Maersk-Gruppe profitiert das Unternehmen von der Nähe zur Konzernmutter und deren Marktdominanz in den Häfen. Vom Sitz in Kopenhagen aus geht Svitzer mit 430 Schiffen weltweit auf Expansionskurs, seit 2014 auch an der Stromkaje in Bremerhaven.

Deutsche Arge unter Druck

Lütgens Reimers
LR-Schlepper »Prompt« (Foto: LR)

Nicht zuletzt dadurch geriet die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) von fünf deutschen Schleppredereien unter Druck, die bis dato einen Großteil der Aufträge in den Nordsee-Häfen unter sich aufgeteilt hatte. Letztlich scherte Linnhoff aus und kündigte sowohl für die URAG als auch für Lütgens & Reimers ihre Jahrzehnte währende Mitgliedschaft. Die Zeit der an einen Hafenstandort gebundenen Geschäftsmodelle sei vorbei, hieß es im Frühjahr 2015.

Eine womöglich fatale Fehleinschätzung, denn das Geschäft machen jetzt andere. Die URAG hatte sich zwar zunächst mit Svitzer verbündet. Doch inzwischen soll sich die Maersk-Tochter das Exklusivrecht bei Schleppdiensten für Maersk-Schiffe in Bremerhaven gesichert haben, die früher gleichberechtigt von den ehemaligen Arge-Mitgliedern URAG und Bugsier (Hamburg/Bremerhaven) erledigt wurden. Ähnliches wird von Marktteilnehmern aus Hamburg berichtet – an der Elbe soll Lütgens & Reimers Dienste verlieren. Die Folge: nicht mehr genug Aufträge für die Schlepper.

Operative Verluste bei der URAG

Damit sind zum Beispiel bei der URAG, die im Hafengeschäft rund zwei Drittel ihres Umsatzes erwirtschaftet, wichtige Einnahmen weggebrochen. Zuletzt, so heißt es, habe die Muttergesellschaft Linnhoff Schiffahrt operative Verluste in Höhe von bis zu 500.000 € im Monat ausgleichen müssen – und daran zunehmend die Lust verloren. Zudem war im August eine sogenannte Patronatserklärung ausgelaufen. So seien erst einzelne Schlepper der URAG und dann das ganze Unternehmen zum Verkauf gestellt worden.

Boluda
Photo: Boluda

Nun soll eine Schlepperflotte von 16 Schiffen der URAG und weitere vier Einheiten von L&R an Boluda gehen. Das spanische Schifffahrtsunternehmen, dessen Geschichte bis 1837 zurückreicht, verfügt nach eigenen Angaben über eine Flotte von mehr 200 Schleppern, die in den wichtigen Häfen Spaniens, Frankreichs, Nordafrikas und in Lateinamerika stationiert sind. In Nordeuropa war das Unternehmen bislang nicht präsent. Boluda Towage and Salvage bietet zudem Offshore-Schlepp- und Seenot-Rettungsdienste an.