Print Friendly, PDF & Email

Es gab und gibt schmerzhafte Einschnitte, aber zur aktuellen Situation in der Schifffahrt gehört auch, dass sich zunehmend realistische Chancen auftun. Das war eine der zentralen Erkenntnisse des 21. »HANSA-Forum Schifffahrt | Finanzierung« in Hamburg.

“” type=”” target=”” link=”https://www.hansa-online.de/2017/12/hansa-forum/89224/21-hansa-forum-real-prospects-drastic-treatment/”]English Version

Das wachsende Interesse an Deutschlands wichtigster Branchenkonferenz – sichtbar sowohl an der Zahl der Teilnehmer als auch der internationalen Referenten – machten es deutlich: die krisengeschüttelte deutsche Schifffahrt und potentiell hilfreiche Finanz- und Performance-Partner nähern sich (wieder) an. Unter dem Motto »Surviving and investing in challenging markets« diskutierten die rund 450 Teilnehmer über die nach wie vor großen Herausforderungen, »lessons learned« und die Chancen, die sich im Markt für diejenigen bieten, die sich für die Zukunft aufstellen (können und wollen).

Jeremy Nixon (Foto: Stelling)

Im hochrangig besetzten Auftakt-Panel gaben einige gewichtige Branchenvertreter Einblicke in ihre Strategien. Als Keynote-Speaker erläuterte Jeremy Nixon, CEO der japanischen Containerlinienallianz ONE, dass sich das neue Unternehmen mit der künftigen Größe sehr gut aufgestellt sieht. »Groß genug um zu überleben, klein genug um sich angemessen kümmern zu können« laute das Credo der Allianz von K Line, NYK und MOL. Neubau-Order für Mega-Carrier sind vorerst nicht geplant.

Die zweite Keynote-Speakerin und Reederin Angeliki Frangou berichtete aus ihrer Navios-Gruppe unter anderem, dass man auf eine diversifizierte Flotte setze, weil man dadurch in der zyklischen Schifffahrt mehr Stabilität erzeugen könne. Der wichtigste Grund dafür, Schiffe zu niedrigen Preisen zu kaufen, sei zudem nicht, sie später möglichst gewinnbringend zu verkaufen. Vielmehr stünde im Vordergrund, dass man bei niedrigen S&P-Preisen ein gutes Finanzergebnis pro Schiff erzielen könne.

»More for less and better«

Angeliki Frangou (Foto: Stelling)

Mark O`Neil, CEO des fusionierten Shipmanagement-Player Columbia Marlow erläuterte die Strategie »More for less and better«. »Das können kleinere Akteure nicht«, begründete der Manager die Fusion. Seiner Ansicht nach wird die Schifffahrt künftig mit neuen Wettbewerbern »wie AliBaba und Co.« konkurrieren müssen, die sich zu integrierten Logistikplattformen entwickeln.

Die Leasing-Arm der chinesischen Bank of Communications (BoComm) will das Geschäft mit deutschen Reedern ausbauen. Man entwickle derzeit weitere Geschäfte, erklärte Chi Chao, Executive Manager für die Hamburg-Niederlassung. Er betonte explizit, dass man nicht nur mit den »Großen«, sondern auch mit kleinen und mittelgroßen Reedereien zusammenarbeiten wolle.

Krischan Förster und Claus-Peter Offen (l.) (Foto: T. Waegener)

Ein deutscher Reeder, der seit einiger Zeit an einer zukunftsfähigen Struktur arbeitet, ist Claus-Peter Offen. Er sagte auf dem HANSA-Forum, der Zugang zu internationalen Kapitalmärkten sei unerlässlich. Welchen Weg sein Unternehmen einschlägt, steht noch nicht endgültig fest. Zur Strategie gehöre der Erwerb von weiteren Unternehmen.« Die Reederei selbst werde ein privates Unternehmen bleiben und nicht an die Börse gehen. »Aber wir wollen nach wie vor eine Plattform gründen«, so Offen.

Weitere Infos, Bildergalerien uvm. finden Sie hier

Bedarf an alternativen Finanzierungen

Auch aus dem internationalen Kapitalmarkt wurde auf dem HANSA-Forum Interesse an einer Zusammenarbeit mit deutschen Schifffahrtsunternehmen signalisiert.

Erik Helberg, CEO bei Clarksons Platou Services, nannte verschiedene Gründe dafür. Zum Einen würden traditionelle Kapitalgeber wie Banken sich zurückziehen, darüber hinaus seien die Aussichten des Welthandels relativ gut und das Orderbuch für die Weltflotte auf einem niedrigen Niveau.

Rolf Darboven Zapffe (Foto: T. Waegener)

Den Rückzug von Schiffsbanken und den Rückgang von syndizierten Krediten nannte auch Rolf Darboven Zapffe, Geschäftsführer der Pareto Holding – die mit Ernst Russ bereits einen deutschen Partner hat – als Grund für den Bedarf an alternativen Finanzierungen. Möglich seien Anleihen oder Projektfinanzierungen. »Wir wollen diese Elemente nach Deutschland bringen«, so Zapffe. Allerdings sei die hiesige Reedereibranche zum Teil noch nicht ausreichend konsolidiert.

Laut Henrik Haeder, Partner bei Transport Capital, gibt es auch aus China großes Interesse, »nicht nur von Leasing-Gesellschaften, sondern auch von anderen Investoren.«

»In Zukunft aktiver, aber deutlich konservativer«

Stefan Ermisch (Foto: Waegener)

Die Vertreter der Schiffsbanken kündigten zwar einerseits an, ihre Schrumpfkur fortzusetzen. Allerdings wollen sie sich nicht in Gänze zurückziehen und die Schifffahrtsunternehmen weiter begleiten – wenn die Voraussetzungen stimmen. »Entscheidend ist, dass die Unternehmen mit frischen Ideen auf uns zukommen und moderne Strukturen aufbauen«, sagte Stefan Ermisch, CEO der HSH Nordbank. »Wir bremsen das Neugeschäft nicht aktiv, allerdings ist zurzeit einfach nicht mehr Geschäft mit der Unternehmerschaft möglich.« Die Bank habe in den vergangenen Jahren viel Geld verloren. »Daher bitte ich um Respekt dafür, dass wir das nicht ein zweites Mal erleben wollen«, sagte Ermisch. Den Portfolio-Abbau nannte er »für Manche sicher schmerzhaft. Ohne diesen Weg wäre die HSH Nordbank aber niemals privatisierbar gewesen.«

Tobias Zehnter, Global Head of Shipping bei der NordLB, betonte auf dem Forum, man wolle nächstes Jahr »wieder wesentlich aktiver sein, aber deutlich konservativer als in der Vergangenheit.« Dabei wolle man aber nur mit solchen Unternehmen arbeiten, »die den Umschwung geschafft und adäquate Strukturen geschaffen haben.«

Philipp Wünschmann, Head of Shipping der Berenberg Bank, beschrieb eine chancenreiche Situation: »Zwei Entwicklungen passen sehr gut zusammen: Der Rückzug einiger Banken und das hohe Interesse von Investoren«. Eine »Obergrenze« für weitere Transaktionen gibt es seitens der Bank laut dem Shipping-Leiter nicht. »Das bestimmen die Investoren. Und die haben weiter Interesse und Kapital.«

Weitere Infos, Bildergalerien uvm. finden Sie hier

Aus dem großen Teilnehmerkreis war mehrfach zu hören, dass der Austausch mit Experten auch aus anderen Segmenten auf dem HANSA-Forum wichtig ist – sowohl durch Vorträge, als auch beim ausgiebigen Networking in den Pausen und nach der Konferenz. Mit Spannung wird daher zu beobachten sein, ob die Schifffahrts- und Finanzakteure in den kommenden Monaten wieder enger zusammen finden. Beim nächsten HANSA-Forum »Schifffahrt | Finanzierung« am 22. November 2018 dürfte erneut darüber zu sprechen sein.