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Foto: Union Maritime
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Erneut geriet ein Handelsschiff samt Crew vor Westafrika in die von Piraten. Die »Barrett« ist mittlerweile wieder frei, die Umstände sind unklar.

Zwar konstatierte das International Maritime Bureau zuletzt einen weiteren Rückgang der weltweiten Piraterie. Allerdings wird in dem Bericht zum wiederholten Male auf den Golf von Guinea als einen der absoluten »Hotspots« hingewiesen. Das bestätigte sich nun erneut: Der 2005 gebaute 12.000-Tonnen-Tanker »Barrett« war bereits vor einer Woche vor der Küste von Benin von bewaffneten Männern angegriffen worden. Zu der Zeit lag der Tanker vor Anker.

Zwei Tage völlige Unklarheit

Wie die britische Reederei Union Maritime jetzt bestätigte, brach der Kontakt zum Schiff ab. Allerdings sei man erst zwei Tage später von den Piraten kontaktiert worden. Erst dann herrschte Klarheit über die Vorkommnisse an Bord und erst dann wurden die entsprechenden Notfallmaßnahmen eingeleitet und die regionalen Sicherheitsbehörden eingeschaltet.

Es folgte ein tagelanger Verhandlungs- und Aufklärungsprozess, heißt es in der Mitteilung. Gestern schließlich konnte die Geiselnahme beendet werden. Union Maritime machte keine weiteren Angaben, etwa über eine mögliche Lösegeldforderung oder -zahlung, ein militärisches Eingreifen oder eine gewaltsame Befreiung von Schiff und Geiseln. »Wir bedanken uns bei allen Beteiligten, inklusive der Behörden in Benin, Togo, Nigeria und Indien«, heißt es lediglich. Die Seeleute befänden sich mittlerweile in Lagos.

Auch deutsche Reeder betroffen

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»BBC Caribbean« der Reederei Briese war im Frühjahr vor Westafrika gekapert worden

Der Golf von Guinea – hier vor allem die Gewässer Nigerias – sind als Hochrisikogebiet bekannt. Piraten, Terroristen und Rebellen greifen immer wieder Handelsschiffe an, nicht selten mithilfe von Insider-Informationen aus den lokalen Behörden. Auch deutsche Schiffe gehörten in der jüngeren Vergangenheit zu den Opfern. So waren Seeleute des für die Hamburger Reederei Peter Döhle fahrenden Frachtern »Demeter« mehrere Wochen in der Hand nigerianischer Piraten. Im Frühjahr 2017 war mit der Reederei Briese ein weiteres deutsches Unternehmen von der Piraterie vor Westafrika betroffen. Seinerzeit war ein Lösegeld für die »BBC Caribbean« bezahlt worden.

Soft power und eigene Mittel

Weil die Militärs der Piraten vor Westafrika noch immer nicht Herr werden, wurde erst kürzlich eine neue »soft power«-Initiative gegründet. Das EU-Projekt »Gogin« setzt auf Informationsaustausch und Training. Das »Golf of Guinea Interregional Network« (Gogin) soll die Kooperation zwischen 19 Küstenstaaten von Senegal bis Angola – mit einer gesamten Küstenlänge von mehr als 6.000 km – sowie regionalen Sicherheitszentren unterstützen. Gemeinsame Planungen, Koordination, Kommunikation und IT-Infrastruktur werden entwickelt.

Labonne, Gogin
Gogin-Leiter Vize-Admiral Jean-Pierre La­bonne (Foto: Gogin)

Die größte Hürde für mehr Sicherheit im Golf von Guinea ist bekanntermaßen Nigeria: Öldiebstahl, Rebellengruppen, Überfälle, Korruption – die Probleme sind genauso groß wie altbekannt. Ein Großteil der Überfälle auf See geht auf nigerianische Piraten zurück. Der Erfolg von Gogin hängt also zu einem großen Teil davon ab, ob Nigeria mitzieht. Bislang verweigerten sich die Regierungen in Abuja allerdings stets ausländischer Einmischung. Zuletzt gab es einen weiteren Dämpfer, als die Regierung mitteilte, dass man den Einsatz von privaten bewaffneten Sicherheitsteams an Bord von Handelsschiffen auch künftig nicht dulden werde, da man mit eigenen Mitteln und zertifizierten Partnern das Problem zu lösen gedenke.

 

 

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