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Nach dem Brand auf dem Containerschiff »Maersk Honam« ist ein Besatzungsmitglied seinen Verletzungen erlegen. Er gehörte zu jenen 23 Seeleuten, die zunächst erfolgreich vom Havaristen gerettet werden konnten. Vier seiner Kollegen werden weiter vermisst – und die Hoffnungen schwinden.

Auf dem Containerriesen »Maersk Honam« (15.200 TEU) war auf der Reise von Singapur in Richtung Suezkanal etwa rund 900 sm südöstlich von Salalah (Oman) ein offenbar verheerendes Feuer ausgebrochen. Nach vergeblichen Löschversuchen waren das Schiff evakuiert und die 23 Seeleute auf die zur Hilfe geeilte »ALS Ceres« (4.400 TEU) der Hamburger Reederei Atlantic Lloyd gebracht worden, die drei Stunden nach Ausbruch des Feuers eintraf. Vier weitere Seeleute werden seither vermisst. »Die Hoffnung, sie noch lebend zu bergen, schwinden dahin«, teilte Maersk mit.

Der aus Thailand stammende Seemann sei trotz sofortiger medizinischer Versorgung den Verletzungen erlegen, die er durch das Feuer erlitten habe, teilte Maersk mit. »Wir sind zutiefst über den Tod eines unserer Kollegen betroffen«, sagt Søren Toft, COO der dänischen Reederei.

Die Situation an Bord der »Maersk Honam« sei sehr schnell eskaliert. Die indische Küstenwache berichtete von bis zu 25 m hohen Flammen und einer Explosion an Bord des Schiffes. »Die Lage ist nach wie vor sehr kritisch«, hieß es gestern Abend auch bei Maersk. Das Feuer ist demnach nicht unter Kontrolle.

Vor Ort ist das Schiff »Shoor« zur Brandbekämpfung im Einsatz. Das 105 m lange Spezialschiff verfügt über Hochleistungs-Feuerlöschsysteme und Ölbekämpfungsausrüstung. Das Feuer erstreckt sich über eine Fläche von 100 mal 60 m rund um die Brücke der »Maersk Honam«.

Zur Besatzung des erst im vergangenen Jahr in Dienst gestellten Containerschiffs zählten insgesamt 27 Seeleute – sie stammen aus Indien (13, darunter der Kapitän), von den Philippinen (9), aus Rumänien (1), Südafrika (1), Thailand (2) und aus Großbritannien (1). Zunächst waren 22 gerettete Crew-Mitglieder an Bord der »ALS Ceres«. Mittlerweile wurden zwei weitere schwer Verletzte 20 sm vor dem indischen Trivandrum von einem Boot der indischen Küstenwache übernommen und an Land gebracht. Die »ALS Ceres« steuert mit den verbliebenen 19 Seeleute den Hafen von Cochin (Südindien) an.

»Wir versuchen unser Möglichstes, um die vermissten Seeleute zu finden«, betonte Toft. Die Suche werde fortgesetzt. Die indische Marine hatte ein Aufklärungsflugzeug vom Typ Boeing P8i zum Unglücksort beordert. Außerdem wurden weitere Schiffe zum Havaristen umgeleitet, darunter die »MSC Lauren«, »Edith Mærsk« und »Gerd Mærsk«. Die Koordinierung der Suchaktion hat die Besatzung der »Mærsk McKinney Møller« übernommen.

Karte: HANSA

Maersk selbst hat nach eigenen Angaben zudem drei Hochseeschlepper zur Brandbekämpfung mobilisiert. »Es wird aber einige Zeit dauern, bis sie den Unglücksort erreichen«, sagte eine Sprecherin gegenüber der HANSA.

Die »Maersk Honam« hatte insgesamt 7.850 Container (12.416 TEU) geladen. Derzeit ist noch völlig unklar, wie und warum das Feuer ausgebrochen ist. Maersk hat bereits eine »umfassende und gründliche Untersuchung« des Vorfalls angekündigt und werde dabei mit allen relevanten Behörden eng zusammenarbeiten.

Wie das sich anbahnende Großschadensereignis versicherungstechnisch gehandhabt wird, ist noch offen. Maersk könnte eine »Havarie-Grosse« erklären, wodurch sich die Ladungsbeteiligten an den Kosten für die Rettung von Schiff und Ladung beteiligen müssten. Darüber sei aber nicht entschieden worden, sagte eine Reederei-Sprecherin.

Im April vergangenen Jahres war unweit der Unglücksstelle das Containerschiff »MSC Daniela« in Brand geraten. Der 14.000 TEU-Frachter war ebenfalls auf dem Weg in Richtung Suezkanal. Offenbar war die Ladung in einem der Container in Brand geraten.