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Die Deutsche Marine muss vorerst ohne eigene Tanker auskommen. Wegen »Altersschäden« an den Dieselmotoren wurden sie stillgelegt, nachdem DNV GL erst im April der »Rhön« und im Juni der »Spessart« die Klasse entzogen hatte.

Die beiden betagten Tanker waren bereits 1974 bei der Kröger Werft in Schacht-Audorf vom Stapel gelaufen und drei Jahre später von der Marine in Dienst gestellt worden. Die jeweils 130 m langen Schiffe können über 10.000 m³ Marinediesel und Flugbenzin laden und damit ganze Flottenverbände auf See versorgen. Sie waren die beiden letzten von einst sechs Betriebsstofftransportern der Marine. Ohne »Klasse« war ihnen anschließend durch die Aufsichtsbehörde der Bundeswehr auch die sogenannte »Sicherheitstechnische Bescheinigung« entzogen worden.

Als Ersatz kommt allenfalls einer der drei Einsatzgruppenversorger in Frage. Die allerdings seien alle in Nato-Einsätzen gebunden. Die geplante Entsendung der »Spessart« zum ständigen maritimen Einsatzverband der NATO SNMG 1 in der zweiten Jahreshälfte sei deshalb abgesagt worden, heißt es.

»Die Marine ist inzwischen zu klein geworden«

»Das ist ein weiteres Beispiel dafür, wie dringend die Modernisierung der Marine ist. ebenso wie ihre Finanzierung«, sagt Vizeadmiral Andreas Krause, Inspekteur der Marine. Der Ausfall der Tanker sei nicht zu kompensieren. Originalzitat Krause: »Dazu ist die Marine inzwischen zu klein geworden.«

Eine Reparatur der beiden Betriebsstoff-Tanker sei nicht vor dem 4. Quartal 2018 zu erwarten. Die exakte Schadensursache sei unklar. Die Schiffe besitzen nur eine Antriebswelle mit einem Hauptantrieb, einen Zwölf-Zylinder-Dieselmotor mit 8.000 PS. Zunächst soll der Diesel der »Spessart« instand gesetzt werden, um die Schadensursache zu finden.

Die Planung sah vor, beide Tanker noch bis 2024 zu betreiben. Dies sei nun nur noch mit erhöhtem finanziellen und zeitlichen Aufwand möglich, befürchtet die Marine. Dabei ist der Schaden an den Motoren nicht das einzige Problem. Immer wieder gab es technische Ausfälle an Bord der Schiffe. Außerdem müssen die von einer zivilen Besatzung gefahrenen Tanker bei Übungen und Einsätzen draußen auf der Reede ankern, weil sie aufgrund der Umweltschutzbestimmungen in viele Häfen gar nicht erst einlaufen dürfen, heißt es auf der Seite »Augen geradeaus«. Die Einhüllen-Tanker genügten schon längst nicht mehr modernen Standards für solche Schiffe.

Heftige Kritik kam vom FDP-Bundestagsabgeordneten Hagen Reinhold. »Der Überwasserschiffbau in Deutschland hat seit Jahren kaum Aufträge aus dem eigenen Land erhalten. Gleichzeitig hat Deutschland die Erneuerung seiner Flotten gründlich verschlafen.« Eine schnelle Ausschreibung für den Tanker-Ersatz wäre der richtige Schritt.

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