ABB steuert Fähre vom Schreibtisch aus

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Mit ABB-Technik wurde im Hafen von Helsinki eine Passagierfähre von einem Kontrollzentrum an Land aus gesteuert. Der Versuch wird als wichtiger Schritt zur Steigerung der Akzeptanz letztlich ganz autonomer Schiffe gepriesen.

Nachdem in den vergangenen Tagen bereits zuerst Wärtsilä und dann Rolls-Royce erfolgreiche Testläufe mit vollkommen autonom fahrenden Fähren gemeldet haben, verkündet nun ABB einen Durchbruch bei der Fernsteuerung eines Schiffs.

Foto: ABB

Die Eisklasse-Passagierfähre »Suomenlinna II« wurde ferngesteuert durch ein Testgebiet in der Nähe des Hafens von Helsinki gesteuert, was laut ABB beweist, dass die »menschliche Aufsicht über Schiffe von überall her mit den heutigen Technologien erreichbar ist«. Damit hätten ABB und Helsinki City Transport den nächsten Schritt in der autonomen Schifffahrt getan. Im Fernsteuerungsversuch, dem weltweit ersten für eine bestehende Passagierfähre, testete ABB erfolgreich die Verbesserung des Schiffsbetriebs mit Technologien, die bereits für nahezu jede Art von Schiff verfügbar sind.

Die »Suomenlinna II« wurde mit dem neuen dynamischen Positionierungssystem von ABB, ABB Ability Marine Pilot Control, nachgerüstet und von einem Kontrollzentrum in Helsinki aus gesteuert.

Foto: ABB

Das Schiff verkehrt normalerweise zwischen Helsinki und der Festung Suomenlinna, dem UNESCO-Weltkulturerbe auf einer nahe gelegenen Insel. Für den Pilotversuch fuhr die Fähre durch ein zuvor festgelegtes Gebiet im Hafen von Helsinki. Der Versuch fand außerhalb der Betriebszeit des Schiffes statt, abseits der Küste ohne Passagiere an Bord, in einem Bereich ohne andere Schiffe. Obwohl es nun mit dem neuen dynamischen Positionierungssystem ausgestattet ist, wird das Schiff weiterhin über eine Reihe konventioneller On-Board-Steuerungen betrieben, wobei der Fernmodus nur während des Versuchs eingesetzt wird. Die Forschung und Entwicklung wird mit der Fähre und ihrer Crew fortgesetzt.

Die 2004 gebaute »Suomenlinna II« ist mit dem eisbrechenden elektrischen Antriebssystem Azipod von ABB ausgestattet. Darüber hinaus wurde die Fähre 2017 mit der Situationserkennungslösung ABB Ability Marine Pilot Vision nachgerüstet.

»Entscheidender Schritt, um Akzeptanz für autonome Systeme zu erhöhen«

»Autonom bedeutet nicht unbemannt. Da Schiffe immer elektrischer, digitaler und vernetzter werden als je zuvor, ist ABB in der Lage, Seeleute mit bestehenden Lösungen auszustatten, die ihre Fähigkeiten erweitern. Auf diese Weise erhöhen wir die Gesamtsicherheit des Schiffsbetriebs«, sagt Juha Koskela, Managing Director der ABB-Geschäftseinheit Marine & Ports.

Dieser »bahnbrechende« Versuch ist laut ABB ein entscheidender Schritt, um die Akzeptanz der maritimen Industrie für autonome Systeme zu erhöhen. Es wird erwartet, dass autonome Lösungen die internationale Schifffahrt in den kommenden Jahrzehnten verändern werden, da sich die Branche von dem durch die Finanzkrise 2008 verursachten Abschwung erholt.

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