»Wrack X« – eine Detektivgeschichte unter Wasser

Taucher haben in der Nordsee ein bisher unbekanntes Wrack entdeckt. Um welchses Schiff könnte es sich handeln, wann ist es gesunken, welches Schicksal steckt dahinter? Klicken Sie sich durch unsere Multimediageschichte.

Ein Unbekanntes Wrack

»Wrack X« ist der Projektname eines bis vor kurzem noch unbekannten Schiffswracks, dessen Bauweise auf eine Konstruktion zwischen 1890 und 1930 schließen lässt. Sein Zustand lässt vermuten, dass es ca. vor 70-90 Jahren gesunken ist. Seit 2007 betaucht die Gruppe »Gezeitentaucher« das Wrack und versucht es zu identifizieren. Diverse Schiffsuntergänge wurden studiert und die Baupläne und Fotos der Schiffe mit dem Wrackfund verglichen. Die Anordnung der Maschine achtern und der Brücke mittschiffs waren bis 1939 eher die Ausnahme bei deutschen Schiffen.

Viele Details, viele Anhaltspunkte

Das Wrack eines genieteten Stahlschiffs mit ca. 60-65m Länge liegt auf der Backbordseite. Die Dreifach-Expansions-Dampfmaschine liegt im Heckbereich des Schiffes. Zwei Kessel mit je zwei Feuerluken liegen nebeneinander. Bei einer Entfernung von ca. 19m vom Heck findet sich eine Dampfwinsch. Bei ca. 20m liegt ein 8m langes Rohr, vermutlich ein Lademast. Es befinden sich drei Rohrenden im Inneren, die von Form und Position Mastfüße sein könnten. Mittschiffs ab ca. 36m befinden sich Stahlteile, die in ca. 80° zum Kiel liegen und zu einem Aufbau gehören könnten.

Bis ca. 25m vom Heck lässt sich die Form des Hecks und des Kiels gut erkennen. Bei ca. 28m ist ein Riss in der Bordwand und die Wand liegt flach. Der flach liegende Teil ist zu großen Teilen mit Sand bedeckt. Ab ca. 56m vom Heck findet man wieder aufrechte Teile bis 61m. Im Bereich des Laderaums wurde als Ladung Braunkohle gefunden.

… und wie könnte es einmal ausgesehen haben?

Lediglich Vermutungen ließen sich über das ursprüngliche Aussehen treffen. Mehrere Studien wurden im Laufe der Untersuchungen Betracht gezogen wurden. Markant ist die hinten liegende Maschine, deren Position lässt auf einen Schornstein im Heckbereich schließen.

Die »Gezeitentaucher«

Gezeitentaucher (von links): Ulrich Hofmann, Dirk Terbeek, Dirk Heinemann, Wilfried de Jonge, Thorsten Bakker, Oliver Hirsch und Holger Buss (es fehlt Thorsten Lex)

Seit 2007 taucht eine Gruppe von zurzeit acht Sporttauchern in der Nordsee. Die Gruppe nennt sich »Gezeitentaucher«, weil das Tauchen in der Nordsee stark von den Tiden abhängig ist. Sie halten sich an die Vorgaben des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes und dokumentiert die Wracks, ohne Funde zu bergen. Dabei liegt die Identifizierung der Wracks, das Monitoring und der Erhalt im Vordergrund.

Im Jahr 2017 absolvierten sie den Spezialkurs Unterwasserarchäologie I vom VDST (Verband deutscher Sporttaucher) bei Dr. Florian Huber. Die Methoden der Vermessung, 3D-Modellierung und Dokumentation werden seitdem angewandt.

Typische Ziele sind die Wracks im Umkreis von ca. 35 km Entfernung von Norddeich Hafen. Einige der Wracks sind bekannt, viele noch unbekannt. Die erfahrenen Taucher benutzen Tauchausrüstungen mit 2*12L Nitrox32 in DIR-Konfiguration. Ein in Norddeich Hafen liegendes Rib (Hochleistungs-Schlauchboot) mit festem Rumpf und 225Ps dient als Transportmittel. Es sind GPS, Echolot und Sidescan Sonar an Bord.

Die Intention

Der Antrieb, nach den Wracks zu suchen rührt aus der Neugier heraus. Jedes Schiffswrack hat eine eigene Geschichte, die nach Möglichkeit aufgeklärt werden soll.

Diesen Fragen geht das Projekt nach:

  • Um welches Schiff handelt es sich?
  • Wann ist es gesunken?
  • Weshalb ist es gesunken?
  • Wo kam es her – wo wollte es hin?
  • Was hat es geladen?
  • Gab es menschliche Verluste und gab es Überlebende?

Außerdem werden folgende Aspekte untersucht:

  • Ist das Wrack geplündert oder durch Dritte beschädigt?
  • Wie verändert sich das Wrack im Laufe der Jahre?

Die Gruppe finanziert sich ohne fremde Mittel.

Ein Puzzle unter Wasser

Viele Detailaufnahmen zeigen die zahlreichen noch erkennbaren Teile und Ausrüstungsgegenstände des Schiffs. Sie geben Rückschlüsse auf das Alter und den Schiffstyp – führen sie als Puzzle richtig zusammengesetzt zur Lösung des Falls? Können Sie sie erkennen, um was es sich jeweils handelt?

Die Recherchen und die Lösung

HANSA-Ausschnitt von Dezember 1936

Es wurden hunderte Zeitungen aus dem Zeitraum zwischen 1900 und 1950 gesichtet und zahlreiche Schiffsuntergänge in der Nordsee untersucht. Von den infrage kommenden Schiffen mussten Zeichnungen, Fotos oder weitere Daten aufgetrieben werden. Alle wurden mit der Phantomzeichnung von Wrack X verglichen.

Bei der Recherche wurde auf das digitalisierte Archiv der HANSA zurückgegriffen. Das Deutsches Schiffahrtsmuseum Bremerhaven stellt die Zeitschrift auf der Webseite www.digishelf.de in digitalisierter Form zur Verfügung. Die HANSA erscheint seit 1864 und ist somit die älteste deutsche Schifffahrtszeitschrift, die mit einer zweijährigen Unterbrechung nach dem 2. Weltkrieg heute noch auf dem Markt ist. Die zahlreichen darin enthaltenen Aufsätze, Nachrichten und Meldungen stellen eine wertvolle Sammlung von Quellen dar.

Der entscheidende Hinweis

Bei der Recherche in der HANSA fand sich dann auch der entscheidende Hinweis. Es handelt sich um das 1917 gebaute Schiff »SS Elsa«, das 1936 bei Sturm in der Nordsee gesunken ist. Es gehörte dem bekannten Kapitän Ernst Weitendorf aus Rostock, der bis ins hohe Alter das DDR-Segelschulschiff »Wilhelm Piek« geleitet hatte.

  • Weitere Namen: »Hermina«, »Polmina«, »Oskar«, »Elsa Marie«
  • Baujahr 1917
  • Kategorie: Frachtschiff, Stahl – genietet
  • Länge: 61,2m
  • Breite: 9,2m
  • Tiefgang: 3,8m
  • Geschwindigkeit: 9kn
  • Antrieb: Dampfmaschine, Dreifach-Expansion, 600 PS, zwei Kessel
  • Decks: 1
  • Tonnage: 870 BRT / 409 NRT
  • Gesunken: 1.12.1936 bei Sturm vor Norderney (Nordsee)
  • Letzte Fahrt: von Danzig (Ostsee) nach Cherbourg (Frankreich) mit einer Ladung Kohle
  • Verluste: 10
  • Überlebende: 2

Das Buch

Wie genau sind die Gezeitentaucher nach zehn Jahren auf des Rätsels Lösung gekommen? Das kann man in einem Buch nachlesen, in welchem die Gruppe noch mehr Fotos, die interessantesten Tauchberichte und weitere Unterwasserfotos aus der Nordsee, Beschreibungen verschiedener Wracks und spannende Berichte zusammengefasst hat. Mehr Infos dazu gibt es hier.

Weitere Infos zu den Aktivitäten der Gezeitentaucher sowie den ausführlichen »Prospektionsbericht« über die Tauchgänge und die Aufklärung des Falls »SS Elsa« finden Sie auf der Website der Gezeitentaucher.

(Alle Fotos: Die Gezeitentaucher)

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